Montag, 19. Dezember 2011

Über alles

Achtung: Das wird lang! Ich hab mich ja jetzt schon wieder viel zu lange nicht gemeldet (ich nehme mir immer vor, am nächsten Tag zu schreiben und dann ist auf einmal schon eine Woche vorbei) und deshalb schreibe ich einfach mal über alles, was so passiert ist in letzter Zeit.

Campamento 
Vom 01.-04. Dezember war ich mit dem Abschlussjahrgang meiner Schule in dem auch meine Gastschwester ist, in Tucumán campen. Viel dazu kann ich nicht sagen, bis auf dass es wirklich schön war! Der Campingplatz war zwar nicht der schönste, das hat die Landschaft aber wieder ausgeglichen.



Ciudad de Tucumán


Acto de Clausura
Der „Acto de Clausura“ findet jedes Jahr am Ende des Schuljahres statt und markiert den Anfang der knapp 3-monatigen Sommerferien. Dieses Jahr war er am 07. Dezember, meine Ferien haben aber eigentlich schon mit dem Campamento angefangen.
Für den Acto mussten wir alle in korrekter Schuluniform kommen – weißer Kittel, Krawatte, grüne Kniestrümpfe und schwarze Schuhe für die Mädchen, für die Jungen weiß ich nicht so genau – und man musste sich kursweise in Reihen aufstellen, die Flagge von Argentinien, der Provinz Santiago del Estero und die des Vatikans (katholische Privatschule) werden feierlich reingetragen und die Hymnen gespielt. Dann ein paar Reden, die Vergabe der Diplome an den Abschlussjahrgang und danach die Vergabe der Zeugnisse an alle. Schulnoten sind hier übrigens von 0-10, wobei 10 das beste ist.



Santiago del Estero - Argentinien - Vatikan


Cordoba 
Letzte Woche habe ich für 3 Tage meine Gastschwester zum Einschreiben in die Uni nach Córdoba begleitet. Viel gesehen habe ich leider überhaupt nicht, da meine Gastschwester irgendwie nicht rausgehen wollte und so saß ich eigentlich nur rum, habe gelesen (Eat Pray Love auf Spanisch) oder Fernsehen geschaut. Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft, aber wir fahren ja nochmal als ganze Familie im Janaur hin, wo ich dann hoffentlich ein bisschen mehr sehen werde. Fotos habe ich keine.

Egrsado
Gestern Abend war der Egresado, das heißt der Abschlussball (die Bezeichnung erscheint mir nicht ganz passend) meiner Gastschwester. Das hieß ein weiteres Mal elegante Kleidung und natürlich auch die Nacht durchtanzen. Über den Tag hinüber kamen ein paar Verwandte und Freunde der Familie, so gegen 8 bin ich dann mit meiner Gastschwester zum Friseur damit der uns die Haare macht und schminkt und gegen halb 12 waren wir dann dort, wo das ganze stattfinden sollte, dem Anfiteatro. Dort erstmal große Überraschung: Keiner hätte gedacht, dass so viele Leute da sein würden! Gegen 12 fing dann die Zeremonie an, das heißt jeder Egresado wurde namentlich aufgerufen und ging dann mit seinen Eltern an der Hand auf die große Bühne, wo die Tische für jeden der 3 Kurse (Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften) aufgestellt waren, dann wurde das Essen gebracht. Ab ca. 2 Uhr fingen dann die meisten an zu tanzen und das ganze ging dann noch bis ca. 6 Uhr morgens. Ins Bett gegangen bin ich um 7, eingeschlafen dann um 8. 
Ähnlich läuft es übrigens auch auf dem 15. Geburtstag eines Mädchens ab: Es wird ein Saal gebucht, man muss sich formal anziehen und nach einigen traditionellen Sachen wie zum Beispiel dem Walzer mit dem Vater und fast allen Anwesenden, wird ebenfalls die Nacht durchgetanzt. Machen Argentinier generell ziemlich gerne, ich erkläre euch gleich, was es sonst so zum Feiern gibt. 

Auf der anderen Seite waren in etwa nochmal so viele

Hinten ist die Bühne und vorne die Tanzfläche

Meine allerliebste Desi, die andere Deutsche hier


Alltag 
Wie in allen anderen Zeiten auch, gibt es natürlich auch in den Ferien einen Alltag. Meiner sieht in etwa so aus: Ins Bett gehe ich ca. um 3 oder 4 Uhr morgens, schlafe bis 12 oder 1, esse was, schlafe eventuell noch eine Siesta und für abends gibt es dann verschiedenes zu tun: Oft gehe ich mit Freunden ins Zentrum zum Eisessen oder einfach nur Zeit verbringen, bin im Haus von irgendwem oder sonst die Dinge, die so anstehen. 
Für das Wochenende sieht es dann meist so aus: Freitag abends wie alle anderen Tage der Woche und Samstag – Überraschung! - gibt es irgendwelche Feiern. So waren meine letzten Wochenenden auch immer voll mit spätem Ausgehen (die Discos machen hier so ca. um 3 bis 3:30 auf) und spätem Zubettgehen (so gegen 7) und dem darauffolgenden absolut faulem Sonntag. 

Wenn ihr also den Eindruck habt, mein Leben besteht momentan fast nur aus schlafen, essen, feiern und reisen, dann habt ihr irgendwie schon Recht. 
Was sonst noch so kommt: Weihnachten (Weihnachtsstimmung kommt dank 40° leider überhaupt nicht auf), Silvester, die Reise nach Cordoba und Buenos Aires und noch ein paar mal ausgehen. Nicht zu vergessen natürlich: die Hitze muss auch noch ausgehalten werden! Ohne die Klimaanlage im Zimmer wäre ich verloren. 

Euch wünsche ich wunderschöne Feiertage und, falls ich mich davor nicht melde, einen guten Rutsch ins neue Jahr (in dem ich dann wieder zurück nach Deutschland komme)!

Mittwoch, 23. November 2011

Von Abschieden, Umzügen und vielem mehr #2

Vorweg: Ja, ich vernachlässige meinen Blog und das tut mir Leid! Ich habe erst jetzt Zeit und Muße (vor allem das Zweite haha) gefunden, diesen Post hier in Angriff zu nehmen. Das Thema ist nicht unbedingt das einfachste.
Vorwarnung: Das ist vielleicht nicht interessant für jeden, aber so ein Post musste mal sein. 

Vor etwas mehr als 3 Monaten habe ich meine Koffer gepackt und irgendwie versucht, mein Leben (na ja, zumindest so in etwa) in 23 Kilo zu kriegen. Hat nicht so viel geklappt, am Flughafen musste ich dann doch nochmal umpacken. Das aber nur so nebenbei, zurück zu meinem eigentlichen Punkt: Ich habe meinen Koffer gepackt in der Hoffnung, ihn erst 11 Monate später auf ähnliche Weise packen zu müssen.
Tja, wie ich um ein weiteres Mal auf eine etwas schmerzhaftere Weise erfahren musste, läuft es im Leben oft einfach nicht so, wie man sich das vielleicht wünscht oder vorgestellt hat. Meine ersten 3 Monate hier in Argentinien waren … sagen wir einfach, sie waren nicht einfach. Meine gesamte Situation in Monteros führte dann zu dem für mich einzigen Ausweg: einem Gastfamilienwechsel. Schneller als gedacht, war ich dann auf einmal woanders – Sonntag hatte ich meiner Gastfamilie Bescheid gesagt, Dienstag hatte ich eine neue und Donnerstag abends saß ich auf einmal schon im Bus hierher nach Añatuya.
Und ja, jetzt, nach knappen 4 Wochen, kann ich sagen, dass es definitiv die beste Entscheidung ist, die ich hier bisher getroffen habe. Ich versuche jetzt einfach, meine erste Zeit hier in Argentinien zu vergessen. Wobei nein, denn gerade diese Zeit hat mich verdammt viel lernen lassen, über mich, über die Bedeutung (m-)einer Familie, über Kulturen und über so viel mehr. Vor allem hat es mir aber eines gezeigt: Selbst am Ende des dunkelsten Tunnel erscheint irgendwann ein winzig kleines Licht, dass immer größer wird. Das zeigt einem vor allem, wie viel Kraft in einem steckt. Egal wie oft man dachte: „Ich kann nicht mehr, ich bin absolut am Ende“, irgendwie geht es dann trotzdem weiter.

So, das wars genug an Lebensweisheiten (mit meinen 15 Jahren bin ich sowieso nicht wirklich in der Lage, diese zu geben). Ja, ich habe meinen Blog vernachlässigt und habe heute leider auch kein Foto für euch (wer die Anspielung verstanden hat, ist gut. Hier ist es übrigens Mexico's next Topmodel!).
Es gibt aber viel worüber ich gerne schreiben würde und wozu ich auch Fotos habe, also stay tuned!

Alles alles Liebe, Johanna